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HASA: Streik (Review)

Artist:

HASA

HASA: Streik
Album:

Streik

Medium: CD
Stil:

Rock mit schwäbischem Dialekt

Label: 36music/Broken Silence
Spieldauer: 40:13
Erschienen: 13.03.2026
Website: [Link]

„Space-Pop aus der schwäbischen Galaxie“ (= HASA)

Sie treten in den Streik!
HASA kennen kein Erbarmen.
Nur wie 'Streik't eine Band, die im Dialekt vorgetragenen Spacepop voller progressiver und groovender, poppiger und jazziger, rockiger und bluesiger, funkiger und reaggiger sowie neuerdings sogar hiphopiger Rhythmen als (musikalische) Arbeitsgrundlage hat?
Lässt man da einfach ein paar Musik-Stil-Richtungen weg?
Das wäre ja schrecklich! Und zugleich Kreativitätsverweigerung!
Nö, das würden HASA – die Space-Pop-Mannen und -Männinnen aus der schwäbischen Galaxie – garantiert selber nicht ertragen bei all der Leidenschaft, die da in ihnen und ihrer Musik glimmt, flackert und feuert. „Streik“ ist die musikalische wie dialekt(isch)-textliche Antwort auf die angepassten Manierismen der Mainstream-Musikkultur. Irgendwie eine ähnlich protestierende Antwort, die zum Streik aufruft, wie es die olle Karre auf dem Album-Cover tut, in der es tatsächlich bei dem „Streik“-Song geht. Denn bei HASAs Spacepop funk(el)t und altertümelt (beispielsweise in einem herrlich psychedelischen Gitarren-Solo auf „Nomml a Dag“) es in jeder Zeile und Note – und man sollte einen sehr ausgeprägten Sinn für Humor haben, um dieses schwäbische Fünfer-Gespann zu mögen.
Und wer mit dem schwäbischen Dialekt nichts anfangen kann, für den wird trotz aller guter Musik „Streik“ zum Problem werden.


Natürlich kommen einem bei HASA verstärkt solche ironisch bis lustig, aber auch zynische Bands der Marke KNORKATOR oder J.B.O. in den Sinn. Nur im Gegensatz zu besagten Bands setzen HASA nicht vorrangig auf die härter rockenden Rhythmen oder freche, unter die Gürtellinie gehende Albernheiten, sondern die progressiven und jazzigeren und hintergründigeren. So erklären sie sich unter ihrer Homepage sicherheitshalber selber als Spacepop from Dohanna, in dem extrem tanzbarer Jazz, Rock, Blues, Reggae und Funk mit Lyrics im Dialekt, die in ihrer lautmalerischen Verspieltheit tatsächlich häufig wie Gedichte wirken – mal dadaistisch, mal aus dem prallen Leben gegriffen, miteinander verschmilzt.

Verstanden?
Sicher doch. Ansonsten kommt man wohl mit Americanarismen vom 'Tanka' („Karussell“) oder direkt vom Mond. Doch keine Angst. Selbst den besingen HASA auf ihrem zweiten Album „Streik“ auf eigenartige (gar japanisch klingende) Weise.


Stellenweise rutscht die Musik dann doch ins Alberne ab. Das nimmt ihr ein wenig den Reiz – und die Wirkung. Denn was auf Album 1 noch neu und spannend war, nutzt auf einem ähnlich gestalteten zweiten Album doch schneller als gedacht ab, selbst wenn das 24-seitige, irgendwie an ein kindliches Malheft erinnernde Booklet mit allen Texten und kunterbunten Bildern (die sich sogar an Munchs „Schrei“ anlehnen), eine herrliche Beigabe ist. Ähnlich wie das dreiflügelige Digipak, in dem CD und Booklet stecken – und aus dem bereits die lustigen Ansätze hinter „Streik“ hervorgehen.


Am Ende des Albums wird gar der gute GOETHEsche „Faust“ durch den Kakao gezogen: „Verweile doch, du bist so schön / So könnt's doch immer weiter gehen“. Und dann geht die Reise tatsächlich direkt auf den Mond und weiter bis zum Mars. Na das würde doch unsere immer bescheuertere Politik mit allen *ern und *innen und ihrem kosmischen Raumfahrtministerium doch riesig freuen, selbst wenn die auf der Erde im kleinen Deutschland längst schon nichts mehr hin- oder auf die Beine bekommen, außer vielleicht die längste Pinocchio-Nase aller Zeiten. Ja, wer auf Märchen steht, der darf gerne verzückt sein, wer in der arbeitsamen Realität leben muss, der reibt sich nur noch verwundert die Augen und würde wohl gerne gemeinsam mit HASA auf den Mond oder gleich den Mars fliegen.


„A Mensch“ schlägt in eine ähnliche Kerbe – mit einem deutlichen Hang in Richtung GEORG DANZER, denn hier geht’s um Menschen, die ihre Finger nicht im Griff haben. Doch leider erschöpft sich der Song dann in seiner fünfminütigen Laufzeit in zu vielen Wiederholungen – so gelungen auch der anfängliche Ansatz war.

Wahrscheinlich funktioniert die Idee dieses 'Spacepop From Dahanna' auf der Bühne doch besser als auf einem Tonträger. Denn hier springt auf Dauer der Funke dieses dialektischen Spacepops nicht wirklich über. Was auf dem Debüt noch von dem neuartigen Aha-Effekt lebte, ist auf der Fortsetzung stellenweise nur noch 'kalter Kaffee'.


FAZIT: Hoffentlich Streiken die Musikliebhaber nicht im Umgang mit dem zweiten HASA-Album und deren lustigen Auseinandersetzung in puncto Rockmusik mit schwäbischem Dialekt. Denn was beim ersten Album noch einfallsreich und wagemutig war, nutzt sich auf „Streik“ bereits ein wenig ab – ähnlich wie ein Witz, den man zu oft wiederholt hat und den darum zu viele bereits kennen. HASA sind auf der Bühne ein echtes Erlebnis, auf einer CD bei Weitem nicht mehr so spannend wie noch auf ihrem Debüt. Bleibt zu hoffen, dass die Botschaft ihres letzten, recht entspannten Songs mit GOETHE-Zitat „Schätz mol des war's“ nicht bald auch für HASA zutrifft.

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 76x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 8 von 15 Punkten [?]
8 Punkte
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Tracklist:
  • Streik
  • Ewig on drei Dag
  • Stay Blues
  • Karussell
  • Nomml a Dag
  • Soifablos
  • A Mensch
  • Mond in den Wolken
  • Schätz mol des war's

Besetzung:

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